
Unsere kommissarische Co-Direktorin Dr. Thu Nguyen beim WDR Europaforum 2026: Europa zwischen Einigkeit und Handlungsdruck.
Beim WDR Europaforum 2026 auf der re:publica war Thu Nguyen zu Gast und kommentierte aktuelle europapolitische Entwicklungen.
Im Mittelpunkt stand die Frage, ob die EU in der aktuellen geopolitischen Lage zusammenhält. Nguyen zeigte sich grundsätzlich optimistisch: Die Mitgliedstaaten müssten geschlossen agieren, um auf internationaler Ebene Wirkung zu entfalten und diese Geschlossenheit sei, wenn nötig, vorhanden, wie etwa die europäische Reaktion auf die Grönland-Episode gezeigt habe. Dass es bei einzelnen Themen unterschiedliche Positionen gebe, bedeute nicht, dass die EU auseinanderdriftet, solche Prozesse dauerten eben, so Nguyen.
Ein weiteres Thema war die Handelspolitik. Angesprochen auf den Eindruck von EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič, ob die EU gerade entscheidende Schritte in Richtung Unabhängigkeit unternehme, vermerkte Nguyen, dass Abkommen wie Mercosur und das Handelsabkommen mit Indien wichtige wirtschaftliche und geopolitische Schritte gewesen seien. Bei der Frage nach einer gemeinsamen Handelspolitik gebe es zwar eine gemeinsame Analyse der Problemlagen, doch etwa im Umgang mit China bestehe weiterhin Uneinigkeit darüber, wie protektionistisch die EU auftreten solle.
Zum Draghi-Bericht merkte Nguyen an, dass die Mitgliedstaaten einzelne Maßnahmen herausgegriffen hätten, während viele andere, schwieriger umzusetzende Aspekte bislang nicht aufgegriffen wurden.
Nach einer Diskussionsrunde mit verschiedenen Mitgliedern des Europäischen Parlaments kam Nguyen erneut zu Wort. Zur Rolle des EP sagte sie, es sei deutlich schwieriger geworden, in der Mitte Mehrheiten zu finden. Rechtsaußen-Parteien könnten zwar wenig blokieren, wenn die Parteien der Mitte zusammenfänden, doch die EVP treffe zunehmend auch Entscheidungen gemeinsam mit Rechtsaußen.
Abschließend skizzierte Nguyen drei zentrale Fragen, vor denen Europa steht: die Entwicklung eines neuen Wachstumsmodells, die Frage militärischer Souveränität und Unabhängigkeit sowie die institutionelle Handlungsfähigkeit der EU, insbesondere die Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips.
Die Sendung ist hier in der ARD Mediathek abrufbar.
Fotocredit WDR / Thomas Kierok