Das Plaumann-Urteil hat die Entwicklung des Rechtssystems der Union und den Zugang zur Justiz tiefgreifend beeinflusst und stellt eine der umstrittensten Rechtslehren der Gemeinschaftsrechtsprechung dar. Der vorliegende Beitrag beabsichtigt, aus historisch-rechtlicher Perspektive zu den Ursprüngen des Falles zurückzukehren, um dessen wesentliche rechtliche Komponenten zu dekonstruieren und den historischen Kontext auf der Grundlage von Archivmaterial des Gerichtshofs und des Juristischen Dienstes der Kommission zu rekonstruieren. Der Beitrag untersucht mögliche alternative Auslegungswege zur Entscheidung des Gerichtshofs durch eine erneute Betrachtung der Standpunkte der Parteien. Die Analyse bestätigt einerseits, dass der Plaumann-Test nicht das Ergebnis eines Missverständnisses des Gerichtshofs ist, sondern eine bewusste Entscheidung, den Schutz der Gemeinschaftsinstitutionen dem Rechtsschutz des Einzelnen vorzuziehen. Andererseits zeigt sie jedoch auf, dass der Plaumann-Test angesichts der späteren Entwicklung des Gemeinschaftsrechts anachronistisch ist und auf Annahmen beruht, die bis heute zunehmend untergraben oder weitgehend geändert wurden.
Das Kapitel ist auf Italienisch verfasst.