Dieser Artikel untersucht endogene Probleme der gemeinsamen Umsetzung in Mehrebenensystemen. Am Beispiel der Europäischen Staatsanwaltschaft (EPPO) entwickeln wir eine Theorie zu einem kausalen Mechanismus der Konfliktverschiebung, bei dem strittige Verhandlungen durch bewusst mehrdeutige Rechtsvorschriften gelöst werden, die den Konflikt auf die Umsetzungsphase verschieben. Unter den Bedingungen der gemeinsamen Umsetzung, bei der mehrere Behörden voneinander abhängige Durchsetzungsbefugnisse ausüben, führt eine solche Mehrdeutigkeit zu Pattsituationen: Situationen, in denen sich Zuständigkeitsansprüche für dieselbe Umsetzungsmaßnahme überschneiden und unvereinbar sind. Empirisch wenden wir ein theorietestendes Process Tracing auf zwei Konflikte an, an denen die EPPO beteiligt ist: vertikale Kompetenzkonflikte zwischen EU- und nationalen Behörden sowie horizontale Konflikte bei grenzüberschreitenden Ermittlungen. Anhand von offiziellen Dokumenten, Rechtsprechung und Interviews zeigen wir, wie legislative Kompromisse ungelöste Konflikte festschrieben, die während der Umsetzung systematisch wieder auftauchten. Der Artikel treibt die Forschung zur gemeinsamen Umsetzung voran, indem er die Mikromechanismen spezifiziert, die legislative Konflikte mit Umsetzungsstörungen verknüpfen, und indem er Pattsituationen als eigenständiges Umsetzungsergebnis in der Mehrebenen-Governance konzeptualisiert.
Dieser Artikel wurde erstmals am 25. Juni 2026 auf Englisch in Governance: An International Journal of Policy, Administration, and Institutions veröffentlicht.
Foto: Tanja Tepavac via unsplash