EU-Bürger:innen sind aktive Sparer, investieren jedoch weniger in die Kapitalmärkte als ihre US-amerikanischen Pendants und verzichten damit auf potenziell höhere Renditen. Zudem ist die Fähigkeit des EU-Finanzsystems, die Ersparnisse der privaten Haushalte in productive Investitionen umzuwandeln (d. h. in die Wirtschaft statt in den Immobiliensektor zu investieren), begrenzt, was das Wirtschaftswachstum hemmt. Die aktuellen Initiativen der Spar- und Investitionsunion (SIU) haben diese Herausforderungen nur teilweise angegangen und lassen unter anderem einen klaren Fokus auf die Förderung produktiver Investitionen in der EU vermissen. Dieser Policy Brief schlägt die Schaffung eines langfristigen EU-Investitionsprodukts (ELTIP) vor, um die Beteiligung von Privatanlegern an den Kapitalmärkten zu stärken und die Ersparnisse der privaten Haushalte in produktive und nachhaltige Investitionen in die Wirtschaft der Union zu lenken. Der Vorschlag verbindet die Förderung wirtschaftlicher Investitionen in der EU mit globaler Risikostreuung, starkem Anlegerschutz, Kosteneffizienz, Zugänglichkeit für Anleger und Anpassungsfähigkeit an unvorhergesehene Veränderungen der Lebensumstände der Anleger. Die aktuellen Debatten rund um die Spar- und Investitionsunion bieten eine günstige Gelegenheit, ein ELTIP einzuführen, das das Wachstum der EU und ihre strategischen Prioritäten in einem herausfordernden geopolitischen Umfeld unterstützt.
Michael Leibeck ist Referent bei der Regulierungs- und Aufsichtsbehörde für die Finanzmärkte der EU (ESMA). Die in diesem Policy Brief geäußerten Ansichten sind die persönlichen Ansichten des Autors und können nicht der ESMA zugeschrieben werden.
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